Informationen und Materialien zum Thema Linkshändigkeit

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Linkshändigkeit ist ein wichtiges Thema – und das nicht nur am oder rund um den Weltlinkshändertag am 13. August: Statistiken und Schätzungen der Wissenschaft geben den Anteil der Linkshänder*innen in der Bevölkerung mit bis ca. 20 Prozent an. Doch woran erkennen Sie als Eltern, Erzieher*innen oder Lehrer*innen, ob ein Kind Rechts- oder Linkshänder ist? Und worauf ist beim Umgang mit linkshändigen Kindern besonders zu achten? Wir haben für Sie auf dieser Seite die wichtigsten Fakten zusammengetragen und bieten Ihnen Tipps und Materialien rund um das Thema Linkshändigkeit.

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Wie ticken Linkshänder*innen?

Persönlichkeitsstruktur und typische Verhaltensweisen bei der jeweiligen motorischen Gehirnhemisphärendominanz: In der Veröffentlichung „Der umgeschulte Linkshänder oder Der Knoten im Gehirn“ wurde ganz am Rande auf Persönlichkeitsstrukturen und daraus resultierende typische Verhaltensweisen hingewiesen, die sich bei der jeweiligen motorischen Gehirndominanz oft deutlich unterscheiden können, und es wurde die folgende Liste für links- und rechtshemisphärische Dominanz aufgestellt:

Linke Hemisphäre (rechte Körperseite)

  • taktisches Denken
  • Neigung, Gruppen zu bilden oder sich Gruppierungen anzuschließen
  • Geselligkeit, Neigung zum Opportunismus
  • Bevorzugung des verdeckten Führungsstils
  • Organisationstalent und verbale Überzeugungskraft
  • Neigung zur Risikobereitschaft
  • Flexibilität
  • Ideenvereinnahmung, Ideenumsetzung, Ideensprunghaftigkeit
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Bevorzugung der Kontinuität, u.U. Neigung zum unbegründeten Zögern und Entscheidungsaufschu
  • Intrigenakzeptanz
  • im Extremfall Rachsucht
  • passive und aktive Manipulationsbereitschaft
  • unter kumuliertem Stress: Panik, aggressive Reaktion
  • Fähigkeit, mitzufühlen und Mitleid zu empfinden: verzögert, gelernt
  • größere Affinität zu: Zeit
  • Gestaltung der Tagesplanung: mehr zeitlich, linear
  • erkannte Arglist wird: erklärt, verziehen, vergessen und verdrängt. Neigung, „Gnade walten zu lassen“

Rechte Hemisphäre (linke Körperseite)

  • strategisches Denken
  • Neigung zum autonomen Subjektivismus und Einzelgängertum
  • Bedürfnis, oft „mit sich und den eigenen Träumen“ allein zu sein
  • Bevorzugung des offenen Führungsstils
  • Vertrauen in die Kraft des persönlichen Beispiels – Vorbildhaftigkeit
  • erhöhtes Sicherheitsbedürfnis
  • Neigung zu Sturheit und Haften
  • Ideenreichtum, Assoziationsfähig, Neigung zum Dogmatismus
  • Kritizismus
  • Akzeptanz der Diskontinuität, u.U. unerwartete, plötzliche Aufbruchbereitschaft
  • Polarisierung: Vertrauen/Misstrauen
  • in der Regel nachtragend
  • durch Angst vor Manipulation manipulierbar
  • unter kumuliertem Stress: Verzweiflung, aversive Reaktion
  • Fähigkeit, mitzufühlen und Mitleid zu empfinden: spontan, impulsiv
  • größere Affinität zu: Raum
  • Gestaltung der Tagesplanung: mehr räumlich, vernetzt
  • erkannte Arglist wird: analysiert, nie vergessen. Durch assoziative, negative Impulse „tauchen oft unerwartet Reminiszenzen auf“.

Diese Aufstellung basiert auf langjährigen, in der Praxis gesammelten Erfahrungswerten „aufgrund eigener Beobachtung der untersuchten Personen im Hinblick auf ihr Persönlichkeitsbild und unterschiedliche Eigenschaften bei der jeweiligen motorischen Dominanz“. Dabei mussten die genannten Eigenschaften, „um berücksichtigt zu werden, bei über 75 Prozent (Computerraster) der beobachteten und untersuchten links- bzw. rechtshändigen Personen auftreten.“

In dieser Veröffentlichung soll nicht versucht werden, die einzelnen Persönlichkeitsstrukturen in Skalen und Zahlen auszudrücken, sondern es sollen die Persönlichkeitseigenschaften, die links- und rechtshändige Kinder, oft bis ins Erwachsenenalter, meist unbemerkt oder den verschiedensten Einflüssen zugeordnet, prägen, beschrieben und analysiert werden.

Bei Umschulung der Händigkeit manifestieren sich oft verstärkt einzelne, im folgenden untersuchte Persönlichkeitszüge. Manchmal kommt es aber auch durch überaus starke Versuche der Anpassung des umgeschulten Linkshänders an seine Umwelt zur Unterdrückung oder zu Verschiebungen und Verzerrungen der eigentlichen Persönlichkeitsmerkmale.

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Feststellung der Händigkeit: Wie erfahre ich sicher, ob mein Kind Linkshänder*in ist?

Definition von Händigkeit und umgeschulter Händigkeit nach dem S-MH®-Konzept

Im S-MH®-Konzept (Sattler-Methodik zu Händigkeitsfragen) wird Händigkeit folgendermaßen verstanden: Die Händigkeit ist Ausdruck der motorischen Dominanz der kontralateralen Gehirnhälfte; mit anderen Worten: Händigkeit ist Hirnigkeit.

Viele Fachleute nehmen an, dass Händigkeit einen wesentlichen erblichen Anteil hat.

Händigkeit zeigt sich auf der Phänomenebene als Überlegenheit der einen Hand gegenüber der anderen Hand. Diese Überlegenheit äußert sich in einer größeren Geschicklichkeit, längeren Ausdauer und dem bevorzugten Handgebrauch. So werden feine Tätigkeiten, wie z. B. das Zeichnen und Schreiben, Schneiden mit dem Messer und das kleinteilige Bauen vornehmlich mit der bevorzugten oder auch als dominant bezeichneten Hand ausgeführt. Unterschieden wird die dominante Hand, die als Führungshand dient, von der nicht-dominanten Hand, die als Halte- oder Hilfshand eingesetzt wird.

Tätigkeiten, die eher großmotorisch, also aus der Schulter gesteuert durchgeführt werden, werden heutzutage nicht mehr als bedeutsamer Hinweis auf die Händigkeit angesehen. Dazu gehören z. B. das Werfen und das Tennisspielen. Auch Tätigkeiten, die Kraft erfordern, sind nicht so stark von der dominanten Hand abhängig; das betrifft z. B. den Handdruck, gemessen mit einem Dynamometer.

Auch für das sensitive Fühlen, das Erspüren, z. B. einer Oberflächenstruktur, das Berühren eines anderen Menschen, bevorzugen wir die dominante Hand.

Zum Begrüßen benutzen jüngere linkshändige Kinder weit lieber ihre linke Hand. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht nur die feinmotorisch anspruchsvollen Tätigkeiten sind, die aussagekräftig für die dominante Hand sind, sondern auch emotional besetzte Tätigkeiten.

Es gibt keine Tätigkeit, an der allein die Händigkeit eines Menschen bestimmt werden kann und es gibt auch keinen Schnelltest, der in Zweifelsfällen die Händigkeit belegt.

Normalerweise können bei Kindern schon sehr früh an spontanen, von der Erziehung nicht beeinflussten Tätigkeiten Beobachtungen zur Händigkeit gemacht werden. Diese sind z. B. das Greifen von Bauklötzen, der Rassel und anderem Spielzeug, das Aufheben von Krümeln, die Benutzung des Löffels oder erste Versuche, mit einem Stift zu malen.

Von einer Umschulung der Händigkeit wird im S-MH®-Konzept gesprochen, wenn die nicht-dominante Hand Führungsaufgaben übernimmt. Es gibt umgeschulte Linkshändigkeit (Umschulung von der dominanten linken Hand auf die nicht-dominante rechte Hand) und umgeschulte Rechtshändigkeit (Umschulung von der dominanten rechten Hand auf die nicht-dominante linke Hand). Eine umgeschulte Rechtshändigkeit ist allerdings äußerst selten zu beobachten.

Tätigkeiten mit hohen feinmotorischen Beanspruchungen, die gleichzeitig mit einer intellektuellen Anforderung durchgeführt werden, zeigen die stärksten Umschulungsfolgen. Zu solchen Tätigkeiten gehören z. B. das Schreiben, Musizieren und auch das Kritzeln und Malen im Kindergartenalter als Vorläuferfähigkeiten des Schreibens.

Unter einer Rückschulung der Händigkeit versteht das S-MH®-Konzept, wenn umgeschulte LinkshänderInnen lernen, wieder ihre dominante linke Hand als Führungshand zu benutzen. Die Rückschulung ist erneut ein Eingriff in Gehirnablaufsprozesse und wird nach dem S-MH®-Konzept unter Begleitung einer zertifizierten Linkshänder-BeraterIn durchgeführt. Wesentliche Tätigkeiten einer Rückschulung sind besonders das Schreiben und gegebenenfalls das Musizieren auf einem Instrument.

Das S-MH®-Konzept

Unter dem S-MH®-Konzept ist ein holistischer Ansatz zu verstehen, der qualitativ orientiert ist und seit Mitte der 1980er-Jahre durch die intensive Arbeit in der ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder in München entwickelt wurde. Das S-MH®-Konzept war und ist eng mit verschiedenen Forschungsprojekten verbunden und den hierzu durchgeführten Studien liegt eine sehr große Anzahl von Händigkeitsabklärungen zugrunde, die vornehmlich an Probanden aus dem nicht-therapeutischen Bereich durchgeführt wurden.

Das S-MH®-Konzept wird inzwischen von Fachleuten aus verschiedenen Gebieten angewendet (insbesondere aus Pädagogik, Medizin, Therapie und Psychologie). Diese Fachleute haben eine spezielle Zusatzausbildung durchlaufen, bilden sich regelmäßig weiter und sind in dem Netzwerk der zertifizierten Linkshänder-Beraterinnen und Linkshänder-Berater zusammengeschlossen.

Zentraler Bestandteil des S-MH®-Konzepts ist die Händigkeitsabklärung. Weitere Bereiche des S-MH®-Konzeptes werden im folgenden Schaubild dargestellt:

Entwicklung und Einordnung des S-MH®-Konzeptes

Um bei einer Händigkeitsabklärung nicht zu falschen Ergebnissen zu kommen, die dem überprüften Kind oder dem Erwachsenen schaden würden, muss ein Ansatz zur Händigkeitsbestimmung möglichst umfassend und aus verschiedenen Blickwinkeln die Händigkeitsfrage untersuchen.

Bei der Diskussion der testtheoretischen Grundlagen ist wichtig zu wissen, wie das Verfahren zur Bestimmung der Händigkeit dem S-MH®-Konzept entstanden ist. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Beobachtungen, ausgehend von der Annahme einer ursprünglich (genetisch) angelegten und nicht veränderbaren Händigkeit und der Fragestellung: Wie kann man die Händigkeit erkennen, falls im Verlauf der Entwicklung von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter eine Umschulung der Händigkeit auf die nicht-dominante Hand erfolgte?

Aus vielen Beobachtungen des Handgebrauchs wurden Tätigkeiten ausgewählt, die eine Differenzierung ermöglichten zwischen einer genetisch angelegten Bevorzugung einer Hand und einer erworbenen Bevorzugung durch Erziehung, Übung und alltagsbedingter technischer Vorgaben. Ebenso sollten Ursachen erkannt werden, die eine eindeutige Aussage zur Händigkeit verhindern könnten, z. B. hirnorganische Störungen oder Schädigungen.

Auf der Grundlage dieser Erfahrungen wurde Material zur Händigkeitsabklärung S-MH® ausgewählt. Es liegt inzwischen in standardisierter Form vor.

Das S-MH®-Konzept unterscheidet sich von anderen Händigkeitstestungen durch deren Fokus auf dem quantitativen Aspekt. Die dort erhobenen quantitativen Daten werden kategorisiert und es entstehen Zuordnungen, die in einer Skala von extremer Linkshändigkeit bis zu extremer Rechtshändigkeit mit fließenden Übergängen dargestellt werden. Das Testergebnis wird dann in prozentualen Werten angegeben.

Die Händigkeitsabklärung des S-MH®-Konzeptes mit qualitativer Ausrichtung zielt demgegenüber auf eine eindeutige Zuordnung: linkshändig, rechtshändig oder unklare Händigkeit (wenn aus verschiedenen Gründen die Händigkeit nicht deutlich zuzuordnen ist).

Ziel der Händigkeitsabklärung S-MH® ist es, Kindern und Erwachsenen mit umgeschulter oder unklarer Händigkeit, Klarheit über ihre eigentliche Händigkeit zu geben und in der Praxis Erklärungen für Beeinträchtigungen im täglichen Leben zu geben (Primär- und Sekundärsymptome), wie: z. B. Gedächtnisstörungen, Sprachstörungen, motorische Beeinträchtigungen (Feinmotorik, Gleichgewicht), Schwäche/Störung der Links-Rechts-Orientierung, Minderwertigkeits- und Unsicherheitsgefühle. Weiter kann die Bestimmung der Händigkeit dazu genutzt werden, Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, um auf die durch eine Umschulung der Händigkeit hervorgerufenen Belastungen ausgleichend bzw. entlastend zu wirken.

Bis in die 1980er-Jahre wurde unter pädagogischen, religiösen, kulturellen und bildungspolitischen Gesichtspunkten eine Umschulung der Händigkeit bei vielen LinkshänderInnen zum Schreiben von der dominanten linken Hand auf die nicht-dominante rechte Hand durchgeführt. Viele Personen der jetzigen Großelternund Elterngeneration wurden in dieser Hinsicht mit zum Teil ziemlich drastischen Methoden (Gewalt, Bedrohung, psychische Einflussnahme bis hin zu psychischem Druck) umgeschult. Ebenso kann eine Umschulung durch Nachahmung erfolgen.

Neuere Forschungen zur Organisation und Funktionsweise des Gehirns haben ergeben, dass sich die angelegten hirnorganischen Strukturen zu einem bestimmten Grad umorganisieren, dass aber bei umgeschulten linkshändigen Erwachsenen, die seit ihrer Einschulung mit der rechten Hand schreiben, dennoch Hirnareale aktiv werden, die sich an der ursprünglich im Gehirn angelegten Dominanz orientieren. Es wurden signifikante Unterschiede von „umgeschulten“ („converted“) Linkshändern im Vergleich zu „echten“ Linkshändern und Rechtshändern festgestellt.

Aus Sicht der S-MH®-Methode sind die Aussagen vieler Statistiken zur Händigkeitsverteilung in der Bevölkerung zu hinterfragen. Bei der Erfassung der Händigkeitsverteilung wurde in Statistiken nicht mit einbezogen, dass es Menschen mit einer unerkannten umgeschulten Händigkeit gibt. Daher ist anzunehmen, dass diese Menschen z. B. aufgrund ihrer Schreibhand oder ihrer Selbstaussagen den Rechtshändern bzw. den „Beidhändern“ in den Statistiken zugeordnet wurden. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Anteil an Linkshändern in der Bevölkerung höher ist, als in Statistiken angegeben wird.

Wenn diese Statistiken als Grundlage für wissenschaftliche Studien benutzt werden, kann es daher zu Fehlern in Bezug auf die Zusammensetzung der untersuchten Population kommen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Händigkeitsbestimmung nach der S-MH®-Methode ihren Ursprung in der Praxis hat. Sie entstand aus der Notwendigkeit heraus, Tätigkeiten und Kriterien zu finden, die dabei helfen, eine umgeschulte Händigkeit zu erkennen. Dabei wurde davon ausgegangen, dass der Handgebrauch im alltäglichen Leben durch Erziehung, Nachahmung und Anpassung an technische Gegebenheiten mehr oder weniger stark beeinflusst werden kann und dass sich dies dem Alltagsbewusstsein entzieht. Weiterhin ist es ein Prinzip des motorischen Lernens, neu gelernte Bewegungen schnellstmöglich zu automatisieren, um die dadurch frei werdenden Energien für andere Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Dadurch ist wiederum die eigentliche Händigkeit nicht in jedem Fall offensichtlich; dies wird bei der Beurteilung nach der S-MH®-Methode berücksichtigt.

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Worauf muss ich achten, wenn mein Kind Linkshänder*in ist?

Grundregeln für linkshändige Kinder

  • Linkshändige Kinder sind genauso normal wie rechtshändige Kinder.
  • Linkshändige Kinder können genauso schön malen und basteln wie rechtshändige Kinder.
  • Linkshändigkeit ist keine schlechte Angewohnheit, sondern Ausdruck der motorischen Dominanz der rechten Gehirnhemisphäre – Händigkeit ist
    Hirnigkeit.
  • Auch linkshändige Kinder sollen in ihrer Händigkeit gefördert werden. Jegliche Umschulungsversuche sollen unterbleiben. Umschulung der Händigkeit
    bedeutet einen unblutigen, z. T. massiven Eingriff in das menschliche Gehirn.
  • Das linkshändige Kind darf beim Begrüßen und Verabschieden durch Handgeben nicht wegen seiner Händigkeit irritiert oder ausgegrenzt werden.
  • Gebrauchsgegenstände für Linkshänder müssen für das Kind von Anfang an zur Verfügung stehen.
  • Die Computermaus sollte von Anfang an auf der linken Seite stehen und eine lange Schnur haben. Eine schnurlose Funkmaus ist empfehlenswert.
  • Hilfestellungen zum Erlernen spezieller Techniken, die sich von den Abläufen beim rechtshändigen Kind unterscheiden, sind beim linkshändigen Kind
    äußerst wichtig. Dazu gehören angemessene Hilfestellungen beim Erlernen des Schneidens, Schleifebindens, Spitzens, Umsetzen von Bastelanleitungen und einer guten Mal- und Stifthaltung.
  • Der Sitzplatz, am Mal- und Basteltisch und beim Essen ist so für den Linkshänder zu wählen, dass er neben einem Rechtshänder links außen sitzt oder neben einem anderen Linkshänder, damit sich die Nachbarn nicht mit den hantierenden Armen in die Quere kommen.
  • Das Licht am Mal- und Basteltisch soll möglichst von rechts oder von vorne einfallen.
  • Kinder, deren bevorzugter Handgebrauch bei Eintritt in den Kindergarten noch nicht eindeutig festgelegt ist, sollen beobachtet werden. Es darf kein Einfluss auf die Händigkeit genommen werden. Kommt es nicht zu einer eindeutigen Bevorzugung einer Hand bis zum Alter von etwa fünf Jahren, ist das Gespräch mit den Eltern bzw. der Erzieherin zu suchen. Eventuell sind der Kinderarzt und auf Fragen der Händigkeit spezialisierte Fachleute einzubeziehen.
  • Es gibt bestimmte Bewegungsabläufe im täglichen Leben, die nicht geändert werden können, weil sie durch die funktionalen Eigenschaften normierter Geräte technisch-traditionell festgelegt sind. Dazu gehören normierte Dreh richtungen z.B. bei Schrauben, Glühbirnen, Flaschenschraubverschlüssen, Wasserhähnen und Heizungsreglern. Auch die Fahrseite auf der Straße und der damit verbundene Sitz des Fahrers im Auto können nicht willkürlich abgeändert werden.

Sinnvolle Gebrauchsgegenstände für das linkshändige Kind im Krippen- und Kindergartenalter

  • Schere für Linkshänder, wenn das Kind eine Linkshänderschere benutzt.
  • Spitzer für Linkshänder. Diese gibt es auch mit Döschen. Dabei sind Deckel zum Hineinstecken Schraubverschlüssen vorzuziehen, da das traditionelle Gewinde bei der Spitzrichtung des Linkshänders (gegen den Uhrzeigersinn) sich gleichzeitig öffnet.
  • Mal- bzw. Schreibtisch-Auflage für Linkshänder aus Kunststoff zum Erlernen einer lockeren Mal- und Stifthaltung
  • Mal- bzw. Schreibunterlagen-Block für Linkshänder aus Papier (Auer Verlag)
  • Dreieckige Wachsmalkreiden
  • Weiche dreieckige Stifte, evtl. mit Aufsteckdreiecken oder anderen Greifhilfen
  • Kartoffel- bzw. Gemüseschäler
  • Beidseitig geschliffene Gemüsemesser
  • Taschenmesser wäre sinnvoll, aber die für dieses Alter geeigneten Ausführungen sind nicht speziell für linkshändige Kinder gefertigt – die Kerbe, mit der man die Klinge aus der Scheide zieht, muss auf der rechten Seite angebrachte sein, sodass der linke Daumennagel Halt findet.

Unsinnige Gebrauchsgegenstände für linkshändige Kinder

  • Gebogene Babylöffel für Kleinkinder – egal ob nach rechts oder links. Dieses beliebte Taufgeschenk ist unsinnig, denn zu diesem Zeitpunkt ist meist die Händigkeit des Kindes noch nicht manifest und außerdem ist es sinnvoller, Kinder von Anfang an mit einem normalen, nicht abgewinkelten Löffel essen zu lehren.
  • Uhren, die in die entgegengesetzte Richtung laufen. Der Uhrzeigersinn ist uns nicht von Natur aus gegeben; er ist eine vereinbarte Richtung, auf die wir uns geeinigt haben. Wenn wir Kinder an Uhren gewöhnen, die umgekehrt herum laufen, irritieren und verwirren wir das Kind.

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Allgemeine Hinweise

Methodische Hilfestellungen sind notwendig, da das linkshändige Kind von sich aus nur schwer eine unverkrampfte und lockere Schreibhaltung findet. Wichtig dabei ist:

  • Die lockere Schreibhaltung muss dem Kind vom ersten Tag des Schreibens an gezeigt werden. Fehlhaltungen lassen sich später kaum noch korrigieren.
  • Die Schreibhaltung muss vom Lehrer/von der Lehrerin ständig überwacht werden, insbesondere in den ersten drei bis vier Monaten nach Beginn des Schreiblehrgangs. Vorsicht: Linkshänder ahmen oft rechts schreibende Kinder nach.
  • Es ist dringend notwendig, dass sich Eltern über eine lockere linkshändige Schreibhaltung informieren und den Lehrer/die Lehrerin zu Hause unterstützen.
  • Die Schreibhand muss unbedingt beibehalten werden. Durch ständigen Wechsel der Schreibhand werden schreibmotorische Muster im Gehirn verzögert und gestört aufgebaut.
  • Das linkshändige Schreiben muss psychologisch vorbereitet und diesbezügliche Befürchtungen der Eltern müssen ausgeräumt werden. Das Kind soll nicht den Eindruck erhalten, dass es wegen seiner Linkshändigkeit ein Sorgenkind ist. Es muss seine Linkshändigkeit als ein natürliches Phänomen
    erfahren. Daher sollte es auch nicht zu Überbetonung und Überfürsorglichkeit kommen, die fast immer eine Gegenreaktion bei den Mitschülern und Geschwistern hervorrufen.
  • Werkzeuge sind u. a.: weiche Blei- und Buntstifte, Linkshänderfüller, -scheren und -spitzer. Für manche Schüler sind Linkshänderlineale ungeeignet.
  • Ein Kind, das spontan mit der linken Hand zu malen und zu schreiben beginnt, darf auf keinen Fall zum Schreiben mit der rechten Hand angehalten werden. Bei Kindern, die häufig die Schreibhand wechseln, muss durch einen auf Händigkeit spezialisierten Fachmann, z.B. einen Schulpsychologen
    oder Ergotherapeuten, die Händigkeit festgestellt werden.
  • Verunsicherte und verängstigte, aber auch wache und angepasste linkshändige Kinder neigen dazu, sich von alleine auf die rechte Hand umzuschulen (Modellverhalten). Das geschieht besonders dann, wenn sie wegen ihrer Linkshändigkeit von Mitschülern verspottet werden oder wenn sie schon im Kindergarten deswegen, ihrer Meinung nach negativ, aufgefallen sind, oder insbesondere dann, wenn sie durch mangelnde methodische Hilfen die Schwierigkeiten beim Schreiben nicht überwinden können. Diese Selbstumstellung muss unterbunden werden, da sie dieselben Folgen wie eine von Erwachsenen erzwungene Umschulung haben kann.

Schreibhaltung

  • Lage des Heftes: Die Heftseite, die beschrieben wird, liegt links der Mittelachse, die durch Nase und Wirbelsäule festgelegt wird. Weder der Körper noch der Kopf weicht beim Schreiben davon ab.
  • Lage der linken Hand: Die linke Hand stützt sich auf die Handkante und die seitliche Fläche des kleinen Fingers. Handrücken und Unterarm bilden einen stumpfen Winkel.
  • Lage der rechten Hand: Die rechte Hand hält das Heft am rechten Blattrand, anfangs möglichst etwas über der Höhe der gerade beschriebenen Zeile.
  • Neigung des Heftes: Die rechte obere Ecke ist im Vergleich zur linken oberen Ecke nach unten verschoben. Der Neigungswinkel kann variieren. Beim linkshändigen Schreiben ist ziehendes und stoßendes Schreiben grund sätzlich möglich. Beim ziehenden linkshändigen Schreiben wird die Schrift, bedingt durch die starke Neigung des Heftes, allerdings manch mal linksschräg.
  • Haltung der Finger: Alle Finger bleiben grundsätzlich unterhalb der Schreiblinie. Die Federspitze zeigt etwas nach rechts bzw. liegt flach auf dem Blatt. Das Schreibgerät liegt auf dem vorderen Glied des Mittelfingers und wird vom Daumen und Zeigefinger gehalten. Das hintere Ende des Schreibgerätes zeigt etwa in Richtung des linken Ellenbogens. Das Schreibgerät sollte weder zu nah noch zu weit von der Spitze gehalten werden.
  • Häufigste Mängel: Heben der linken Schulter; Vorschieben des linken Ellenbogens (führt zur Krümmung der Wirbelsäule), Drehung des Kopfes nach rechts; hakenförmige Handhaltung (Schreibhand über der Zeile); rechte Hand liegt so auf dem Blatt, dass um sie „herumgeschrieben werden muss“; Heft ist zu weit nach rechts verschoben; der rechte Rand des Heftes liegt höher als der linke.

Spiegelschrift, eine normale Anfangserscheinung

  • einzelne Buchstaben in Spiegelschrift
  • Wörter in Spiegelschrift
  • Vertauschen von Buchstaben/Silben: oben enob ebon
  • Beginn des Lesens in der oberen rechten Ecke
  • Schreibrichtung von rechts nach links in Spiegelschrift; Spiegelschrift und Verdrehungen von Buchstaben verschwinden gewöhnlich im Verlauf des 1. Schuljahres von alleine; bei längerem Anhalten sollte ein Fachmann, z.B. ein Schulpsychologe, zurate gezogen werden.
  • Vertauschen und Verdrehungen von Buchstaben kommt selten und meist weit weniger ausgeprägt auch bei rechtshändigen Kindern vor und sind häufig ein Signal für physiologische Störungen, die nichts mit der Händigkeit zu tun haben.

Sitzordnung

Der Linkshänder darf links von sich keinen rechtshändigen Nachbarn haben.

Lichteinfall

Der Arbeitsplatz sollte von rechts oder von vorne beleuchtet werden.

Erinnerungsstützen für die richtige Hand- und Heftlage

  • Es ist sinnvoll, eine Schreibunterlage für Linkshänder mit aufgedruckter Zeichnung zu verwenden, auf der eine Blattlage und Handhaltung vorgegeben werden, die dem Kind zu einer lockeren und unverkrampften Schreibhaltung verhelfen.
  • Hilfreich können auch Nachspurübungen sein, die viele Kinder bereits ein Jahr vor dem Schulbeginn fähig sind durchzuführen (Vorschläge dazu in: Übungen für Linkshänder).
  • Auch das Schreiben mit Kreide auf eine Tafel kann helfen, damit von Anfang an eine günstige Handhaltung gefunden wird, da der mit der Kreide geschriebene Text, ähnlich wie später bei der Tinte, durch eine ungünstige Haltung verwischt wird.

Körperhaltung

Die Körperhaltung beim Schreiben gleicht der des Rechtshänders.

Schreibhefte in der 1. Klasse

Manche Lehrer/Lehrerinnen verwenden in der 1. Klasse Schreiblernhefte, in denen links, zu Beginn der Zeile, ein Buchstabe oder ein Wort vorgeschrieben ist, welche das Kind selber mehrmals auf der Zeile nachschreiben soll. Hierbei verdeckt sich der Linkshänder, auch bei der günstigen,
lockeren Schreibhaltung, die Vorlage. Daher wäre es ratsam, auch am rechten Zeilenende Buchstaben oder Wörter als Muster vorzuschreiben; ein Pfeil oder Punkt links ist wichtig, um den richtigen Zeilenanfang zu kennzeichnen, z.B.:

Schreibtempo und Schriftbild

Grundsätzlich gilt, dass linkshändige Kinder genauso schön und genauso hässlich, genauso schnell und genauso langsam schreiben wie rechtshändige Kinder auch.

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Welche Tipps und Hilfestellungen gibt es für umgeschulte Linkshänder*innen?

  • Akzeptieren der Umschulungsfolgen und Verarbeiten der begleitenden Geschehnisse als eine Art Behinderung, mit der man rechnen muss, die aber nicht Ausdruck einer mangelnden Intelligenz ist.
  • Bei der Arbeit Pausen einlegen, sich Entspannung gönnen und zugestehen.
  • Referate entweder frei mit Stichpunkten halten oder alles ablesen – keine Mischung.
  • Sich damit abfinden, dass Mitschreiben bei Vorlesungen und Vorträgen sehr schwierig bleibt, und Vorsichtsmaßnahmen einbauen – z. B. sicherheitshalber die Aufnahmefunktion des Smartphones nutzen.
  • Einen festen Lebensrhythmus einhalten, in den immer wieder regelmäßige Entspannungsphasen eingebaut sind.
  • Die Erkenntnis akzeptieren, dass leider andere oft recht haben, wenn sie einem umgeschulten Linkshänder vorwerfen, dass er etwas vergessen
    habe zu sagen oder dass er Teile seiner Gedanken ausgelassen habe. Die Kritiker haben leider auch oft recht, wenn sie ihm vorwerfen, dass er seine Äußerungen etwas zu scharf und verletzend formuliert hat – Diplomatie ist keine Stärke der umgeschulten Linkshänder, und sie verhalten sich meist weit weniger diplomatisch, als sie sich zu verhalten meinen.
  • Anstrengende Arbeiten, z. B. Kontrollieren von Zahlen und Texten, möglichst in eine Zeit legen, in der man noch ziemlich frisch und nicht ermüdet ist.
  • Bei der Neigung zu Raum-Lage-Labilität sollte man insbesondere unter Stress mündliche Seitenangaben vermeiden. Man soll versuchen, diese weniger über die Sprache auszudrücken – besser ist es, nach rechts oder links zu zeigen.
  • Vorbereitung von wichtigen Gesprächen oder Verhandlungen erst kurz vorher noch einmal problembezogen und aktuell vergegenwärtigen. Fast jede in einem längeren Abstand liegende, auch noch so gute Vorbereitung wird als abgeschlossen wahrgenommen und im Gehirn irgendwo „abgelegt“, oft vergessen und kann nicht mehr in Details reproduziert und abgerufen werden.

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Die Schreibunterlage DESK-PAD Lefty

In einem Video zur Schreibunterlage DESK-PAD Lefty zeigt Ihnen Frau Dr. Barbara Sattler, wie Sie oder Ihr Kind die Schreibunterlage richtig nutzen und im Alltag einsetzen. Das Video wendet sich sowohl an Eltern linkshändiger Kinder als auch an Erzieher*innen, Lehrer*innen und umgeschulte Linkshänder*innen, die sich zurückschulen möchten.

 

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